Zentrum für Schlafmedizin

Restless Legs Syndrom

Das Restless Legs Syndrom (RLS) ist eine häufige chronisch neurologische Erkrankung, charakterisiert durch schwer zu beschreibende unangenehme Sensationen in den Beinen und seltener in den Armen. Die Beschwerden machen sich vorwiegend gegen Abend, beim ruhigen Sitzen oder im Bett liegend bemerkbar und zwingen den Patienten wieder aufzustehen und herumzugehen, in schweren Fällen fast die ganze Nacht!

Ursache

Als Ursache der Restless Legs wird eine vererbte Veranlagung vermutet, welche bei gewissen Patienten allein schon genügt, um Symptome auszulösen (= idiopathische Form). Andere Patienten, welche die gleiche Veranlagung auch besitzen, erkranken trotzdem erst dann wenn zusätzliche Faktoren wie z.B. eine Schwangerschaft oder ein Vitamin- oder Hormonmangel oder eine Polyneuropathie hinzukommen (= symptomatische Form).

Beschwerden

Im Vordergrund stehen schwierig zu beschreibende Missempfindungen, meist in den Waden, gelegentlich auch in den Oberschenkeln oder in den Füssen und in bis zu 50% auch in den Armen. Die Missempfindungen treten meist beidseitig auf, ein SEitenüberwiegen oder ein Seitenalternieren ist jedoch möglich. Die Patienten beschreiben die Sensation als Kribbeln, Ziehen, Reissen, Stechen, Spannen, manchmal sogar als eigentlichen Schmerz.
Wirkliche Schmerzen treten häufiger bei älteren Patienten auf und besonders, wenn die Beine aus äusserlichen Gründen nicht früh genung bewegt werden können, wie z.B. bei längeren Reisen im Flugzeug. Die RLS-Sensationen werden in der Tiefe lokalisiert, die Schmerzen bei Polyneuropathie dagegen oberflächlich, in der Haut liegend. Viele Patienten klagen über schwere oder müde Beine oder sogar über eine Schwäche. Die Schwäche kann aber willentlich meist überwunden werden und zwingt nicht zum Anhalten, wie diese bei Gefässkranheiten der Fall ist.

Die Symptome treten in erster Linie am Abend oder im Bett auf. Die Dauer bis zum Auftreten der Beschwerden liegt zwischen sofort und bis zu 2 Stunden nach dem Hinsetzen oder Hinlegen.

Das wichtigste Kriterium für die Abrenzung gebenüber anderen Ursachen ist die Besserung bei Bewegung. Die Patienten sind jeweils gezwungen, aufzustehen und herumzugehen. Der Drang, die Beine zu bewegen, kann nur vorübergehend unterdrückt werden, ist aber letztlich unwiederstehlich, so dass diese Beinbewegungen teilweise unwillkürlich auftreten. Der Patient kann dann höchstens noch die Art der Bewegungen willkürlich beeinflussen.

Am Tag und bei körperlicher Aktivität sind die Beschwerden meist weniger stark ausgeprägt oder fehlend. Sie können aber nach grösseren Anstrengungen sogar verstärkt auftreten.

Verschiedentlch wurde darauf hingewiesen, dass die missemfpindungen in langweiligen Situationen viel eher auftreten als bei Themen, die den Patienten oder die Patientin interessieren. Anregende Computerspiele werden sogar als Therapie empfohlen, z.B. während langer Reisen mit dem Flugzeug.

Therapie

Bei mindestens 20% der Patienten mit Restless Legs-Syndrom (RLS) ist die Symptomatik der ruhelosen Beine und sensorischen Störungen so stark ausgeprägt, dass sie behandlungsbedürftig sind:

Ursächliche Behandlung
Assoziierte Erkrankungen müssen spezifisch behandelt werden. Bei nierenversagen ist bekannt, dass eine nierentransplantation die RLS-Beschwerden bessern kann, auch wenn dies mit der Blutwäsche (Dialyse) nicht möglich war. Bei vorübergehendem RLS während der Schwangerschaft raten Experten von einer Behandlung mit Medikamenten wegen der Gefahr für das Kind ab. Der Eisenspiegel und der Ferritin-Wert soll bei jedem Patienten im Blut kontrolliert werden. Ein Versuch mit Eisenpräparaten ist schon dann sinnvoll, wenn die Blutwerte vom Ferritin noch normal, aber relativ tief (unter 50µg/Lit) sind. Rheumatische Krankheiten, eine Nervenentzündung (olyneuropathie) oder ein Parkinson-Syndrom sollten erkannt werden, damit eine spezifische Therapie durchgeführt werden kann.

Symptomatische Behandlung
Häufig wird keine klare Ursache des RLS gefunden, und dann ist eine Heilung nicht möglich. Wann man mit einer rein symptomatischen Therapie mit Medikamenten beginnt, hängt von individuellen Leidensdruck des Patienten ab.

Nicht medikamentöse Behandlungsversuche, wie Bewegung der Gliedmassen vor dem Schafengehen, warme oder kalte Bäder, Massagen oder Dehnungsübungen werden von den meisten Patienten über viele Jahre selbständig ausprobiert. Auch eine anregende geistige Aktivität (Kreuzworträtsel lösen, Computer-Spiele) lindert die Beschwerden. Meist genügen diese Massnahmen allein aber auf die Dauer nicht. Bestimmte Medikamente (Neuroleptika, bestimmte Reisemittel), und Genussmittel (Kaffee, Alkohol, Nikotin, ev. Schokolade) können ein RLS verschlechtern und sollten dann vermieden werden.